Vom Lernenden zum Helfenden
Wenn Sie die Kurse dieses Bereichs durchgearbeitet haben, wissen Sie mehr über Computer und Internet als viele Menschen in Ihrem Umfeld. Das merken die anderen schneller, als Sie denken: Bald fragt die Nachbarin, wie man ein Foto verschickt, oder der Bruder, was dieses „WLAN“ schon wieder will. Herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt die Person, die man fragt.
Das ist eine schöne Rolle, und sie hat einen Nebeneffekt: Erklären ist die beste Wiederholung. Was Sie einmal jemandem beigebracht haben, vergessen Sie selbst so schnell nicht mehr. Aber gutes Helfen will gelernt sein, denn gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.
Der häufigste Fehler: übernehmen statt anleiten
Sie kennen die Szene vielleicht von der anderen Seite: Man fragt jemanden um Hilfe, derjenige nimmt einem das Gerät aus der Hand, tippt in Windeseile herum, sagt „So, fertig“ und gibt es zurück. Das Problem ist gelöst, aber gelernt hat man nichts, und beim nächsten Mal steht man wieder genauso da. Oft bleibt sogar ein schales Gefühl zurück: „Ich bin wohl zu dumm dafür.“
Deshalb die goldene Regel: Die Hände des Lernenden bleiben am Gerät. Sie beschreiben den Weg, der andere geht ihn selbst. „Tippen Sie auf das Zahnrad, das sind die Einstellungen.“ Das dauert drei- bis fünfmal so lange, wie wenn Sie es selbst machen würden. Genau diese Zeit ist die eigentliche Hilfe. Ausnahme: Wenn jemand Sie ausdrücklich bittet, etwas einmalig einzurichten, dürfen Sie natürlich übernehmen, aber erklären Sie dabei laut, was Sie tun.
Kleine Schritte, einfache Worte, viel Geduld
Erinnern Sie sich, wie sich das alles am Anfang für Sie angefühlt hat. Genau dort steht Ihr Gegenüber jetzt. Daraus folgen drei Handwerksregeln:
- Ein Schritt nach dem anderen. Sagen Sie nicht drei Anweisungen auf einmal, sondern eine, und warten Sie, bis sie ausgeführt ist. Bei längeren Wegen hilft ein Zettel zum Mitschreiben, den der Lernende selbst schreibt, in seinen eigenen Worten.
- Alltagswörter statt Fachwörter. Sagen Sie „das Zahnrad-Symbol“ statt „das Icon“, oder erklären Sie das Fachwort sofort, so wie es diese Kurse tun. Vergleiche wirken Wunder: Der Browser ist das Fenster ins Internet, der Speicher ist der Kleiderschrank.
- Fragen ernst nehmen, jede. Auf „Das ist jetzt vielleicht eine dumme Frage“ antworten Sie am besten: „Dumme Fragen gibt es hier nicht.“ Es stimmt nämlich.
Mut machen, Fehler entdramatisieren
Die größte Bremse beim Lernen ist nicht mangelnde Begabung, sondern Angst, etwas kaputt zu machen. Ihre wichtigste Aufgabe als Helfer ist deshalb Beruhigung: Durch normales Tippen und Wischen geht nichts kaputt. Wenn beim Üben etwas schiefgeht, ein Fenster verschwindet, eine App sich öffnet, sagen Sie: „Gut, dass das jetzt passiert, dann üben wir gleich, wie man es zurückholt.“ So wird aus dem Missgeschick eine Lektion. Loben Sie Fortschritte ruhig ausdrücklich, auch kleine. Und wenn Sie selbst einmal nicht weiterwissen: Sagen Sie es ehrlich und suchen Sie gemeinsam nach der Lösung, so wie Sie es in den ersten Lektionen dieses Kurses gelernt haben. Auch das ist Vorbild: zeigen, wie man sich selbst hilft.
Merksatz: Gute Hilfe gibt den Weg vor, nicht die Hand: Die Finger des Lernenden bleiben am Gerät, Ihre Worte führen, Ihre Geduld beruhigt.
Das Wichtigste in Kürze
- Erklären festigt das eigene Wissen, helfen lohnt sich doppelt.
- Goldene Regel: Der Lernende bedient selbst, Sie leiten nur mit Worten an.
- Ein Schritt nach dem anderen, eigene Notizen des Lernenden helfen beim Merken.
- Fachwörter vermeiden oder sofort erklären, Vergleiche aus dem Alltag nutzen.
- Fehler beim Üben entdramatisieren und gemeinsam beheben.
- Wenn Sie etwas nicht wissen: ehrlich sagen und gemeinsam nachschauen, auch das lehrt.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Eine Bekannte bittet Sie um Hilfe mit ihrem Handy. Was ist der beste Grundsatz?
Wer selbst tippt, lernt. Wer nur zusieht, vergisst. Die beste Hilfe führt die Hand nicht, sondern beschreibt den Weg, so mühsam das manchmal ist.
Frage 2 von 3: Warum sollte man beim Erklären Fachwörter vermeiden oder sofort übersetzen?
Ein unbekanntes Wort wirkt wie eine kleine Mauer: Der Lernende bleibt daran hängen und traut sich weniger zu. Alltagswörter und Vergleiche halten den Weg frei.
Frage 3 von 3: Ihr Nachbar hat beim Üben aus Versehen ein Fenster geschlossen und erschrickt. Was sagen Sie am besten?
Fehler beim Üben sind normal und fast immer harmlos. Wer beruhigt und den Fehler gemeinsam behebt, nimmt die Angst, und ohne Angst lernt es sich viel leichter.