Erste Hilfe: Etwas ist passiert
Atmen Sie einmal durch. Fast alles lässt sich reparieren, und Sie sind nicht allein — solche Vorfälle passieren jeden Tag vielen Menschen. Und oft ist es noch besser: Vieles, was wie ein Notfall aussieht, ist nur ein Betrugsversuch, bei dem noch gar nichts passiert ist. Prüfen Sie darum zuerst die Liste der üblichen Maschen — die echten Notfall-Schritte folgen darunter.
Woran Sie die üblichen Maschen erkennen
Betrug im Netz sieht immer wieder gleich aus. Wer die Muster einmal kennt, erkennt sie im entscheidenden Moment wieder — genau dafür ist diese Liste da.
Die eine Regel, die fast immer schützt: Die meisten dieser Mails, Anrufe und Warnfenster wollen nur eines — dass Sie sich melden: eine Nummer anrufen, auf eine Nachricht antworten, einen Link öffnen. Am anderen Ende sitzt der Betrüger, der Sie dann Schritt für Schritt dazu bringt, ihn per Fernzugriff auf Ihr Gerät zu lassen oder Geld zu „sichern“. Kein seriöses Unternehmen arbeitet so: Microsoft ruft nicht an, Ihre Bank schickt keine Warnung mit Rückrufnummer, und niemand Ehrliches verlangt Zugriff auf Ihren Bildschirm. Wer sich nicht meldet, ist schon in Sicherheit.
Phishing-Mail
Eine Mail, angeblich von Bank, Paketdienst oder einem bekannten Dienst: „Ihr Konto wird gesperrt, bestätigen Sie hier.“ Der Link führt auf eine gefälschte Anmeldeseite, die Ihre Zugangsdaten abgreift.
So reagieren Sie: Nie über den Link anmelden. Wenn Sie unsicher sind: Die Seite selbst im Browser aufrufen oder in der App nachsehen.
Scareware: das Viren-Popup
Beim Surfen erscheint plötzlich ein bildschirmfüllendes Fenster, oft mit Warnton oder Stimme: „Ihr Computer ist infiziert! Rufen Sie sofort diese Support-Nummer an.“ Die Wahrheit: Eine Webseite kann Ihr Gerät gar nicht untersuchen. Die Warnung ist Theater — und die Nummer führt direkt zum Betrüger.
So reagieren Sie: Nicht anrufen, nichts anklicken. Browser-Tab oder Browser schließen (zur Not das Gerät neu starten). Danach ist nichts passiert.
Falscher Support am Telefon
Anruf von „Microsoft“, der „Telekom“ oder dem „Sicherheitsteam Ihrer Bank“: Ihr Rechner melde Fehler. Man will Sie anleiten, ein Fernwartungs-Programm zu installieren — dann sieht und steuert der Anrufer Ihren Bildschirm.
So reagieren Sie: Auflegen. Diese Firmen rufen nicht unaufgefordert an. Fernzugriff bekommt niemand, den Sie nicht selbst um Hilfe gebeten haben.
Schockanruf: falsche Polizei, Enkeltrick
Ein Anruf setzt Sie unter Druck: Ein Angehöriger habe einen Unfall verursacht, eine Kaution sei fällig — und alles müsse geheim bleiben. Druck, Eile und Geheimhaltung sind das Werkzeug.
So reagieren Sie: Auflegen, durchatmen, den Angehörigen unter der bekannten Nummer selbst anrufen. Polizei und Justiz fordern nie Geld am Telefon.
SMS und Messenger: Paket oder „Hallo Mama“
Eine SMS über ein angebliches Paket mit Link — oder eine Nachricht „Hallo Mama/Papa, mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer“, kurz darauf die Bitte, dringend eine Rechnung zu überweisen.
So reagieren Sie: Link nicht antippen. Beim „Kind“ auf der alten, bekannten Nummer anrufen — der Trick fällt sofort in sich zusammen.
Fake-Shop: das zu gute Angebot
Ein Online-Shop mit auffällig niedrigen Preisen, oft nur gegen Vorkasse per Überweisung. Nach der Zahlung kommt keine Ware, und der Shop verschwindet.
So reagieren Sie: Vor dem Kauf Impressum und Bewertungen prüfen. Keine Vorkasse an unbekannte Shops — sichere Zahlwege wählen.
Betrug bei Kleinanzeigen
Angebliche Käufer schicken Links zu „Sicher bezahlen“-Seiten oder QR-Codes, angeblich für die Abwicklung. Dahinter stecken gefälschte Seiten, die Kartendaten abgreifen.
So reagieren Sie: Nur innerhalb der Plattform kommunizieren und bezahlen. Keine fremden Links, keine QR-Codes, keine „Verifizierungs“-Zahlungen.
Liebes- und Anlagebetrug
Wochenlang freundlicher Kontakt, dann braucht die Online-Bekanntschaft plötzlich Geld — oder schwärmt von einer Anlage-Plattform mit traumhaften Gewinnen. Die dort angezeigten Kontostände sind erfunden; eine Auszahlung gibt es nie.
So reagieren Sie: Nie Geld an Menschen senden, die Sie nur online kennen. Bei „Gewinnplattformen“: Finger weg, das Geld ist verloren, sobald es überwiesen ist.
Erpressungs-Mail
„Wir haben Sie über Ihre Kamera gefilmt, zahlen Sie in Bitcoin.“ Solche Mails gehen millionenfach an beliebige Adressen — es gibt keine Aufnahmen. Manchmal steht als Druckmittel ein echtes altes Passwort darin; es stammt aus einem Datenleck.
So reagieren Sie: Nicht antworten, nicht zahlen, löschen. Steht ein echtes Passwort darin: dieses Passwort überall ändern, wo es noch in Gebrauch ist.
Fake-Gewinnspiel und Abofalle
„Sie haben gewonnen! Zahlen Sie nur den Versand.“ Die kleine Zahlung ist der Köder: Im Kleingedruckten steckt ein teures Abo, oder die Kartendaten werden weiterverwendet.
So reagieren Sie: Echte Gewinne kosten nichts. Nichts eingeben, Fenster schließen. Bereits abgebucht? Bank anrufen und Lastschrift zurückholen.
Alle Maschen ausführlich, mit Übungen und Beispielen: im kostenlosen Kurs „Betrug im Netz erkennen“.
Und wenn doch wirklich etwas passiert ist? Sie haben geklickt, Daten eingegeben, Geld überwiesen oder jemanden auf Ihr Gerät gelassen — dann ist jetzt der Moment für die Nummern und Schritte unten. Dafür sind sie da, zögern Sie dann nicht.
Für den echten Ernstfall: die zwei wichtigsten Nummern
Bitte nur anrufen, wenn wirklich etwas passiert ist — so bleiben die Leitungen für Notfälle frei.
Ein Konto wurde gehackt
- Passwort sofort ändern — wenn nötig über „Passwort vergessen“.
- In den Einstellungen „Alle Geräte abmelden“ wählen.
- Zuerst das E-Mail-Postfach sichern, dann andere Konten mit gleichem Passwort.
Geld überwiesen oder Karte betroffen
- Sofort die Bank anrufen — auch am Wochenende, die Hotlines sind besetzt.
- Karten sperren: Sperr-Notruf 116 116.
- Belege und Nachrichten aufheben, nichts löschen.
Das Gerät verhält sich seltsam
- Gerät vom Internet trennen (WLAN aus oder Netzwerkkabel ziehen).
- Nichts mehr eingeben, keine Passwörter, kein Online-Banking.
- Von einem anderen, sauberen Gerät aus wichtige Passwörter ändern.
Verdächtige Nachricht erhalten
- Nichts anklicken, nichts antworten, nichts überweisen.
- Im Zweifel die Person oder Firma über den bekannten Weg selbst anrufen.
- Nachricht löschen oder als Spam melden. Nichts zu tun ist völlig richtig.
Sich Hilfe zu holen ist kein Grund für Scham
Betrüger sind Profis, und auf ihre Maschen fallen auch erfahrene Menschen herein. Diese Stellen helfen Ihnen weiter, ohne zu urteilen:
- Ihre Bank — bei allem rund um Geld, Karten und Überweisungen.
- Verbraucherzentrale (verbraucherzentrale.de) — Beratung bei Betrug, Abofallen und Verträgen.
- BSI (bsi.bund.de) — die Bundesbehörde für IT-Sicherheit mit Anleitungen für Bürgerinnen und Bürger.
- Polizei — jede Dienststelle nimmt Anzeigen auf, in vielen Bundesländern auch online über die Internetwache.