Zwei Namen, eine Mail
Aus dem Einsteiger-Kurs zum Betrug im Netz kennen Sie die Grundregel: Auf die Absenderadresse achten. Jetzt schauen wir genauer hin, denn jede E-Mail trägt zwei Absenderangaben — und Betrüger nutzen aus, dass die meisten Menschen nur die erste sehen.
Der Anzeigename ist das, was Ihr Mail-Programm groß darstellt: „Sparkasse Kundenservice“ oder „DHL Paketdienst“. Diesen Namen darf jeder Absender frei erfinden, so wie jeder auf einen Briefumschlag „Bundeskanzleramt“ als Absender schreiben könnte. Er beweist nichts.
Die echte Absenderadresse steht dahinter, oft erst nach einem Klick oder Fingertipp sichtbar: etwa [email protected] — oder eben [email protected]. Am Computer zeigen Sie mit der Maus auf den Namen oder klicken ihn an; am Smartphone tippen Sie auf den Absendernamen, dann klappt die vollständige Adresse auf. Machen Sie das zur Gewohnheit bei jeder Mail, die etwas von Ihnen will.
Die Domain ist der Familienname
Der wichtigste Teil der Adresse ist die Domain, gesprochen „Domäjn“ — der Teil hinter dem @-Zeichen. Sie ist so etwas wie der Familienname einer Adresse: fest registriert und nicht beliebig kopierbar. Gelesen wird sie von hinten: Entscheidend sind die letzten beiden Bausteine vor dem Ende, etwa „dhl.de“ oder „sparkasse.de“. Alles davor kann der Inhaber der Domain frei ergänzen.
Genau da liegt der Trick. Vergleichen Sie:
- [email protected] — Domain: dhl.de. Das ist DHL.
- [email protected] — Domain: paket-status.com. Das „dhl.de“ davor ist nur ein Untermieter-Name, den der Betrüger seiner eigenen Domain vorangestellt hat.
- [email protected] — Domain: dhl-paketservice.net. Klingt nach DHL, ist aber eine fremde, frei registrierte Domain mit dem Markennamen als Köder.
Die Regel für das Lesen: Suchen Sie das Ende der Adresse und gehen Sie zwei Bausteine zurück. Nur dieser Teil zählt.
Die Antwortadresse: das übersehene Warnzeichen
E-Mails haben noch ein drittes Feld: die Antwortadresse, auf Englisch „Reply-To“, gesprochen „Riplai-tu“. Sie legt fest, wohin Ihre Antwort geht — und die kann von der Absenderadresse abweichen. Betrüger fälschen manchmal eine glaubwürdige Absenderadresse, lassen Antworten aber an ihr eigenes Postfach leiten. Sichtbar wird das, wenn Sie auf „Antworten“ klicken und die eingetragene Empfängeradresse prüfen, bevor Sie ein Wort tippen. Steht dort plötzlich eine wildfremde Adresse, brechen Sie ab.
Und eine wichtige Einschränkung zum Schluss: Selbst eine korrekt aussehende Absenderadresse ist kein Echtheitsbeweis. Absenderangaben lassen sich technisch fälschen, das nennt man Spoofing, gesprochen „Spufing“ — zu Deutsch etwa „Vortäuschen“. Die Adresse ist darum ein Werkzeug zum Entlarven, nicht zum Freisprechen: Eine falsche Domain überführt die Mail sicher als Fälschung. Eine richtige Domain macht sie nur „nicht sofort verdächtig“ — die übrigen Warnzeichen zählen weiter.
Merksatz: Der Anzeigename ist Schall und Rauch. Lesen Sie die Domain hinter dem @-Zeichen von hinten — und trauen Sie selbst ihr nur beim Entlarven, nie beim Freisprechen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anzeigename einer Mail ist frei erfindbar und beweist nichts.
- Die echte Adresse wird per Klick oder Fingertipp auf den Absender sichtbar.
- Die Domain hinter dem @ von hinten lesen: Nur die letzten zwei Bausteine zählen.
- Eine abweichende Antwortadresse ist ein starkes Warnzeichen — vor dem Antworten prüfen.
- Auch echt wirkende Adressen können gefälscht sein: Adresse entlarvt, aber sie beweist nie Echtheit.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Eine Mail zeigt als Absender „Sparkasse Kundenservice“. Was sagt dieser Name über die Echtheit aus?
Der Anzeigename ist frei wählbar wie der Name auf einem Briefumschlag. Aussagekräftig ist nur die vollständige Adresse dahinter — und selbst die ist kein Beweis.
Frage 2 von 3: Die Absenderadresse lautet [email protected]. Was fällt beim genauen Lesen auf?
Entscheidend ist die Domain, also der Teil hinter dem @-Zeichen bis zur Endung. „sparkasse-sicherheit-2026.com“ ist eine eigene, frei registrierte Domain — der Markenname darin ist nur Köder.
Frage 3 von 3: Absender und Inhalt einer Mail wirken echt, aber die Antwortadresse führt zu einer völlig fremden Adresse. Was tun Sie?
Eine abweichende Antwortadresse ist ein starkes Warnzeichen: Ihre Antwort ginge an die Betrüger. Kontakt immer über die selbst herausgesuchte Adresse oder Nummer aufnehmen.