Fünf Minuten, die lange nachwirken
Der Karton ist offen, die App heruntergeladen, gleich leuchtet die neue Lampe. Genau jetzt — bei der Einrichtung — werden die Weichen gestellt, die später kaum jemand noch anfasst: welches Konto angelegt wird, welche Berechtigungen die App bekommt, was der Hersteller sammeln darf. Wer an dieser Stelle fünf aufmerksame Minuten investiert, muss sich um das Gerät danach kaum noch kümmern. Diese Lektion ist die Checkliste dafür — herstellerübergreifend, denn die Muster sind überall gleich.
Vor dem Auspacken: kurz nachdenken
Zwei Fragen lohnen noch vor der Einrichtung. Erstens: Braucht dieses Gerät wirklich eine Cloud? Für Steckdosen und Heizkörperregler gibt es Lösungen, die lokal mit einer Zentrale im Haus arbeiten — bei vielen Fritzbox-Modellen sogar direkt mit dem Router. Zweitens: Wo soll das Gerät hin? Für WLAN-Kleingeräte, die nur Internet brauchen, ist das Gästenetz aus dem Heimnetz-Kurs der richtige Platz: Dort sind sie von Computer und Daten getrennt, falls das Gerät eine Sicherheitslücke hat — und gerade Billiggeräte bekommen selten Updates.
Das Konto: sparsam anlegen
Fast jede Smart-Home-App verlangt ein Benutzerkonto. Dabei gelten die bekannten Regeln, plus eine Besonderheit:
- Eigenes, starkes Passwort — nirgendwo sonst verwendet, am besten aus dem Passwort-Manager. Wo Zwei-Faktor-Anmeldung angeboten wird (bei Amazon, Google und Apple ohnehin): einschalten. Bedenken Sie, was an diesem Konto hängt — bei einer Kamera etwa der Blick in Ihre Wohnung.
- Nur Pflichtfelder ausfüllen. Geburtsdatum, Telefonnummer, Anrede: Was nicht mit Sternchen markiert ist, bleibt leer. Eine Lampe muss Ihren Geburtstag nicht kennen.
- Werbe-Häkchen abwählen. Newsletter und „personalisierte Angebote“ sind bei der Einrichtung fast immer vorangekreuzt.
Berechtigungen: die App auf Diät setzen
Bei der ersten Nutzung bittet die App um Berechtigungen — und hier gilt alles, was Sie aus dem Kurs zu App-Berechtigungen wissen: Erteilt wird, was die Funktion braucht, nicht was der Hersteller wünscht. Zwei Besonderheiten beim Smart Home: Der Zugriff auf Standort oder „Geräte in der Nähe“ ist beim ersten Verbinden oft technisch wirklich nötig, weil das Handy darüber das neue Gerät im Funknetz findet — er darf danach aber wieder auf „nie“ oder „nur bei Nutzung“ zurück. Kontakte, Mikrofon (außer bei Sprachgeräten) und Fotos braucht dagegen praktisch keine Steckdosen-App. Im Zweifel: ablehnen und schauen, ob alles läuft. Fast immer tut es das.
Am Gerät selbst: drei Handgriffe
- Standardpasswort ändern. Kommt ein Gerät — typisch bei Kameras — mit voreingestelltem Passwort wie „admin“ oder „12345“, ändern Sie es sofort. Diese Einheitspasswörter stehen in öffentlichen Listen und werden im Internet automatisiert durchprobiert.
- Updates aktivieren. Suchen Sie in der App den Punkt „Firmware-Update“ oder „automatische Updates“ und schalten Sie ihn ein. Ein smartes Gerät ohne Updates ist ein Computer ohne Wartung.
- Datenschutz-Einstellungen einmal durchgehen. In den App-Einstellungen findet sich fast immer ein Bereich „Datenschutz“ oder „Privacy“: Nutzungsstatistiken, personalisierte Werbung, das Teilen von Daten „mit Partnern“ — abschalten, was abschaltbar ist. Bei Sprachassistenten zusätzlich die Aufnahme-Einstellungen aus der vorigen Lektion setzen: automatische Löschung an, Verwendung zur „Verbesserung“ aus.
Ein Sonderfall: Kameras und alles mit Mikrofon
Für Geräte, die sehen oder hören — Kameras, Video-Türklingeln, smarte Lautsprecher — gilt verschärfte Sorgfalt: Hier geht es nicht um Schaltzeiten, sondern um Bilder und Stimmen aus Ihrem Privatleben. Kaufen Sie solche Geräte nur von Herstellern mit Namen und Update-Historie, sichern Sie das Konto mit Zwei-Faktor ab und überlegen Sie bei jeder Kamera: Muss sie wirklich ins Schlafzimmer? Und rechtlich: Kameras dürfen Ihr Grundstück filmen — nicht den Gehweg, nicht Nachbars Garten. Eine Video-Türklingel, die die Straße erfasst, kann Ärger mit dem Datenschutzrecht geben.
Merksatz: Sparsam einrichten zahlt sich dauerhaft aus: eigenes starkes Passwort, nur nötige Berechtigungen, Gästenetz für Kleingeräte, Standardpasswörter ändern, Updates an — und den Datenschutz-Bereich der App einmal komplett durchgehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Vor dem Kauf prüfen: Geht es auch lokal statt über eine Hersteller-Cloud (z. B. direkt über die Fritzbox)?
- Smarte Kleingeräte ins Gästenetz — getrennt von Computer und Daten.
- Konto sparsam: starkes Einzelpasswort, Zwei-Faktor wo möglich, nur Pflichtfelder, Werbe-Häkchen raus.
- Berechtigungen nach Funktion vergeben; Standort nur fürs Einrichten, danach wieder entziehen.
- Standardpasswörter sofort ändern, automatische Updates einschalten, Datenschutz-Einstellungen durchgehen.
- Bei Kameras und Mikrofonen: namhafte Hersteller, Zwei-Faktor, Aufstellort bedenken, nichts Öffentliches filmen.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Die App einer smarten Steckdose verlangt Zugriff auf Kontakte und Standort. Wie gehen Sie vor?
Es gilt das Prinzip der Datensparsamkeit: nur Berechtigungen erteilen, die zur Funktion gehören. Vieles funktioniert auch nach dem Ablehnen — und lässt sich später gezielt nachreichen.
Frage 2 von 3: Warum ist das Gästenetz ein guter Ort für smarte Kleingeräte?
Gerade billige smarte Geräte bekommen selten Sicherheits-Updates. Im Gästenetz sind sie vom übrigen Heimnetz getrennt und können dort weniger Schaden anrichten.
Frage 3 von 3: Eine smarte Kamera kommt mit voreingestelltem Passwort „admin“. Was tun?
Voreingestellte Einheitspasswörter sind öffentlich bekannt und werden automatisiert durchprobiert. Eigenes Passwort und aktive Updates sind bei Kameras Pflicht — hier geht es um Bilder aus Ihrer Wohnung.