Papier ist erlaubt
Vielleicht haben Sie schon oft gehört: Passwörter darf man niemals aufschreiben. Dieser Satz ist so pauschal falsch. Richtig ist: Passwörter gehören nicht auf einen Zettel am Bildschirm. Ein ordentlich geführtes Blatt an einem sicheren Ort ist dagegen eine ausgesprochen gute Idee, und Fachleute empfehlen es ausdrücklich.
Denn denken Sie einen Moment an den Ernstfall: Das Handy ist kaputt oder verloren, und mit ihm der Passwortspeicher. Oder Sie liegen im Krankenhaus, und Ihre Familie muss an wichtige Konten, um Rechnungen zu regeln. In beiden Fällen ist ein Blatt Papier Gold wert. Papier braucht keinen Strom, kein Passwort und geht nicht kaputt.
Ein Einbrecher wiederum interessiert sich erfahrungsgemäß für Schmuck und Bargeld und blättert nicht durch Aktenordner. Die Programme, die Passwörter im Internet stehlen, kommen an Ihr Papier ohnehin nie heran. Das Risiko eines gut verwahrten Blattes ist darum klein, sein Nutzen groß.
So legen Sie das Blatt an
Nehmen Sie ein Blatt Papier oder ein kleines Heft und schreiben Sie für jedes Konto drei Dinge auf:
- Der Dienst: zum Beispiel „E-Mail bei Web.de“ oder „Sparkasse Online-Banking“.
- Der Benutzername: oft die E-Mail-Adresse. Er wird gern vergessen, dabei ist er die halbe Anmeldung.
- Das Passwort: genau so, wie Sie es eingeben, mit Groß- und Kleinschreibung. Schreiben Sie leserlich und machen Sie Verwechselbares eindeutig, etwa den Unterschied zwischen der Ziffer 0 und dem Buchstaben O.
Dazu gehören außerdem: die PIN Ihres Smartphones, das Anmelde-Passwort des Computers und die Zugangsdaten des E-Mail-Kontos an oberster Stelle. Notieren Sie auch das Datum der letzten Änderung, das hilft beim Aktuellhalten.
Wichtig fürs Weiterpflegen: Wenn sich ein Passwort ändert, streichen Sie den alten Eintrag durch und schreiben den neuen dazu. Ein Blatt mit falschen Angaben hilft im Notfall niemandem.
Der richtige Aufbewahrungsort
Das Blatt gehört an einen festen, verschlossenen Ort in Ihrer Wohnung:
- eine abschließbare Schublade oder Geldkassette,
- ein Ordner mit unauffälliger Beschriftung im Schrank, etwa zwischen den Versicherungsunterlagen,
- ideal: der Ort, an dem auch Testament oder wichtige Papiere liegen.
Nicht geeignet sind: der Monitorrand, die Schreibtischunterlage, die Geldbörse und die Handtasche. Alles, was mit aus dem Haus geht, kann verloren gehen.
Zum Schluss der wichtigste Gedanke: Weihen Sie eine Person Ihres Vertrauens ein, wo das Blatt liegt, zum Beispiel Tochter, Sohn oder eine enge Freundin. Nicht die Passwörter selbst verraten, nur den Ort. So ist im Notfall alles auffindbar.
Merksatz: Aufschreiben ist erlaubt, offen liegen lassen nicht. Ein aktuelles Blatt am verschlossenen Ort ist Ihre Versicherung für den Notfall.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Notfallblatt auf Papier ist sinnvoll und wird von Fachleuten empfohlen.
- Je Konto notieren: Dienst, Benutzername, Passwort, dazu Geräte-PINs.
- Leserlich schreiben und Änderungen sofort nachtragen.
- Aufbewahren an einem verschlossenen Ort, nie am Bildschirm oder in der Tasche.
- Einer Vertrauensperson sagen, wo das Blatt liegt.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Wo bewahren Sie das Notfallblatt am besten auf?
Das Blatt gehört an einen festen, verschlossenen Ort in der Wohnung. Am Bildschirm oder unterwegs kann es zu leicht in fremde Hände geraten.
Frage 2 von 3: Was gehört auf das Notfallblatt?
Ein Eintrag ist nur vollständig mit Dienst, Benutzername und Passwort. Auch die Gerätesperre gehört aufs Blatt, sonst kommen Angehörige im Notfall nicht weiter.
Frage 3 von 3: Was tun Sie, wenn Sie ein Passwort geändert haben?
Das Blatt hilft nur, wenn es stimmt. Alte Einträge durchstreichen und neue nachtragen, dann bleibt es aktuell und übersichtlich.