Der Ersatzschlüssel für den Notfall
In der letzten Lektion haben Sie die Zwei-Faktor-Anmeldung eingeschaltet, und am Ende zeigte der Dienst eine Liste seltsamer Zeichenfolgen an: die Wiederherstellungscodes, auf Englisch „Recovery Codes“, gesprochen „Rikaweri Kohds“. Jetzt klären wir, was es damit auf sich hat.
Denken Sie an Ihre Haustür. Wer klug ist, hinterlegt einen Ersatzschlüssel, etwa bei den Nachbarn. Geht der Hauptschlüssel verloren, stehen Sie trotzdem nicht auf der Straße. Genau das leisten Wiederherstellungscodes für Ihr Konto: Wenn Ihr zweiter Faktor nicht verfügbar ist, weil das Handy kaputt, verloren oder gestohlen ist, tippen Sie stattdessen einen dieser Codes ein und kommen hinein.
Jeder Code funktioniert dabei nur ein einziges Mal, wie eine Eintrittskarte, die beim Einlass abgerissen wird. Deshalb bekommen Sie gleich mehrere auf Vorrat, meist acht oder zehn.
Warum Papier der beste Ort ist
Die Codes gehören auf Papier. Das klingt altmodisch, ist aber die sicherste und einfachste Lösung: Papier kann nicht gehackt werden, braucht keinen Strom und geht nicht zusammen mit dem Handy verloren.
Zwei Wege führen dorthin:
- Ausdrucken. Viele Dienste bieten direkt einen Knopf „Drucken“ oder „Herunterladen“ an, wenn die Codes angezeigt werden.
- Abschreiben. Kein Drucker zur Hand? Schreiben Sie die Codes sorgfältig mit der Hand ab. Prüfen Sie jede Zeile noch einmal, ein vertauschter Buchstabe macht den Code unbrauchbar.
Vermeiden Sie dagegen den bequemen Fehler, die Codes als Foto oder Bildschirmfoto auf dem Handy zu speichern. Das Handy ist ja gerade das Gerät, dessen Verlust Sie absichern wollen. Ist es weg, wären die Ersatzschlüssel gleich mit weg.
Aufbewahren wie das Notfallblatt
Vielleicht haben Sie im Kurs über die Passwort-Verwaltung bereits ein Notfallblatt auf Papier angelegt. Die Wiederherstellungscodes gehören an denselben Ort: in einen Umschlag, beschriftet mit dem Namen des Dienstes und dem Datum, und dann dorthin, wo auch wichtige Unterlagen liegen, etwa in den Ordner mit den Versicherungspapieren oder zu den Dokumenten im Schrank.
Wichtig ist ein fester Ort, den Sie in einem Jahr noch wissen, und den im Zweifel auch eine Vertrauensperson findet. Ein Bankschließfach ist erlaubt, die Schublade mit den wichtigen Papieren reicht aber völlig.
Noch zwei Hinweise für die Pflege: Wenn Sie einen Code benutzt haben, streichen Sie ihn auf dem Blatt durch, er ist verbraucht. Und wenn die Codes zur Neige gehen oder das Blatt in falsche Hände geraten sein könnte, können Sie im Konto jederzeit einen frischen Satz erzeugen; die alten Codes werden dabei ungültig.
Merksatz: Wiederherstellungscodes sind Ersatzschlüssel fürs Konto. Auf Papier drucken oder abschreiben, zum Notfallblatt legen, fertig.
Das Wichtigste in Kürze
- Wiederherstellungscodes ersetzen den zweiten Faktor im Notfall, jeder Code nur einmal.
- Immer ausdrucken oder von Hand abschreiben, nie nur als Foto auf dem Handy.
- Aufbewahren an einem festen Ort bei den wichtigen Unterlagen, etwa beim Notfallblatt.
- Benutzte Codes durchstreichen; bei Bedarf im Konto einen neuen Satz erzeugen.
- Mit den Codes sperrt Sie ein verlorenes Handy nicht mehr aus Ihren Konten aus.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Was ist ein Wiederherstellungscode?
Wiederherstellungscodes sind Notfall-Ersatzschlüssel. Wenn das Handy weg ist, kommen Sie mit einem dieser Codes trotzdem in Ihr Konto.
Frage 2 von 3: Wo bewahren Sie die Codes am besten auf?
Papier kann nicht gehackt werden und geht nicht mit dem Handy verloren. Ein Foto auf dem Handy wäre genau dann weg, wenn Sie den Code brauchen.
Frage 3 von 3: Ihr Handy ist kaputt, und die Anmeldung verlangt den zweiten Faktor. Was tun Sie?
Genau dafür sind die Codes da: Sie ersetzen einmalig den zweiten Faktor. Danach richten Sie den zweiten Faktor auf dem neuen Gerät wieder ein.