Zwei Maschen mit langem Atem
Die bisherigen Lektionen zeigten schnelle Tricks. Liebes- und Anlagebetrug funktionieren anders: Die Täter nehmen sich Wochen oder Monate Zeit und bauen erst Vertrauen auf. Gerade deshalb ist es so wertvoll, die Muster zu kennen. Und falls Sie jemanden kennen, der betroffen ist: Diese Maschen sind psychologisch ausgeklügelt. Darauf hereinzufallen ist keine Dummheit und kein Grund für Scham.
Liebesbetrug: große Gefühle als Werkzeug
Liebesbetrug beginnt oft auf Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken, also auf Seiten, auf denen sich Menschen kennenlernen und austauschen. Eine attraktive, gebildete Person meldet sich, oft angeblich im Ausland tätig, etwa als Arzt oder Ingenieurin. Sie schreibt täglich, macht Komplimente und spricht schnell von Liebe und gemeinsamer Zukunft.
Das Muster hat zwei feste Merkmale. Erstens: Ein persönliches Treffen kommt nie zustande, auch ein Videogespräch scheitert an immer neuen Ausreden. Zweitens: Irgendwann kommt eine Notlage. Ein geplatzter Flug, ein Zollproblem, eine Operation, und immer fehlt Geld. Wer einmal zahlt, wird mit weiteren Notlagen um immer mehr Geld gebeten.
So schützen Sie sich: Werden Sie aufmerksam, sobald eine Internet-Bekanntschaft, die Sie nie getroffen haben, um Geld bittet. Egal wie berührend die Geschichte ist: Überweisen Sie nichts. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson über die Bekanntschaft. Ein Blick von außen erkennt das Muster oft sofort.
Anlagebetrug: das Versprechen vom schnellen Geld
Anlagebetrug lockt mit Geldanlagen, die angeblich hohe Gewinne bei keinerlei Risiko bringen. Die Werbung dafür erscheint im Internet, manchmal mit gefälschten Fotos Prominenter, die angeblich so reich geworden sind. Nach einer ersten kleinen Einzahlung meldet sich ein freundlicher „Berater“ am Telefon.
Der Trick: Auf einer gefälschten Internetseite sehen Sie, wie Ihr Geld scheinbar wächst. Die Zahlen sind frei erfunden. Der Berater drängt, mehr einzuzahlen. Wollen Sie sich Geld auszahlen lassen, tauchen plötzlich Hindernisse auf: angebliche Steuern, Gebühren, Freigaben. Am Ende ist alles Geld weg.
So schützen Sie sich: Hohe Rendite ohne Risiko gibt es nicht. Rendite ist der Gewinn einer Geldanlage, und hoher Gewinn bedeutet immer hohes Risiko. Legen Sie Geld nur bei Banken und Anbietern an, die Sie kennen oder die Ihre Hausbank bestätigt. Lassen Sie sich nie am Telefon zu Einzahlungen drängen, und lassen Sie niemanden per Fernzugriff auf Ihren Computer, um „beim Überweisen zu helfen“.
Wenn es passiert ist
Brechen Sie jeden Kontakt ab, zahlen Sie nichts mehr, auch keine angeblichen „Auszahlungsgebühren“. Informieren Sie Ihre Bank und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Und sprechen Sie darüber. Die Täter setzen auf das Schweigen ihrer Opfer.
Merksatz: Wer Sie nie trifft, aber Geld braucht, will nicht Ihr Herz. Und wer Gewinne ohne Risiko verspricht, will nicht Ihr Bestes.
Das Wichtigste in Kürze
- Liebesbetrug: viel Nähe per Nachricht, nie ein Treffen, dann Geldbitten in Notlagen.
- Nie Geld an Menschen überweisen, die Sie nur aus dem Internet kennen.
- Anlagebetrug verspricht hohe Gewinne ohne Risiko, das gibt es nicht.
- Angezeigte Gewinne auf Betrugsseiten sind erfundene Zahlen.
- Betroffene trifft keine Schuld: Kontakt abbrechen, Bank informieren, Anzeige erstatten.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Woran erkennt man Liebesbetrug im Internet am zuverlässigsten?
Das Muster ist immer gleich: große Gefühle, ständige Ausreden gegen ein Treffen, dann eine Notlage mit Geldbitte.
Frage 2 von 3: Ein Anbieter verspricht eine Geldanlage mit hohen Gewinnen und angeblich ganz ohne Risiko. Was stimmt?
Hoher Gewinn und kein Risiko schließen sich aus. Genau mit diesem unmöglichen Versprechen locken Anlagebetrüger.
Frage 3 von 3: Was ist ein typisches Zeichen für Anlagebetrug, nachdem man einen kleinen Betrag eingezahlt hat?
Die angezeigten Gewinne sind nur Zahlen auf einer gefälschten Seite. Wer auszahlen will, soll erst Gebühren zahlen oder wird vertröstet.