Warum ein Konto-Inventar so viel bringt
Aus dem Einsteiger-Bereich kennen Sie die wichtigsten Schutzmaßnahmen: eigene Passwörter für jeden Dienst, Zwei-Faktor-Anmeldung, gesundes Misstrauen bei E-Mails. Doch all das schützt nur die Konten, an die Sie denken. Die meisten Menschen haben deutlich mehr Konten, als sie glauben — Studien kommen auf 70 bis 100 pro Person. Das alte Forum, der Online-Shop von 2015, die Reise-App aus einem einzigen Urlaub: alles Konten mit Ihren Daten.
Ein Inventar, also eine vollständige Bestandsliste, ist deshalb der erste Schritt jeder Konto-Hygiene. Was nicht auf der Liste steht, können Sie weder absichern noch aufräumen. Die gute Nachricht: Diese Liste erstellen Sie nur einmal gründlich. Danach pflegen Sie sie nebenbei.
Vier Fundstellen für Ihre Konten
Niemand hat alle Konten im Kopf. Suchen Sie stattdessen an diesen vier Stellen:
- Ihr Passwortmanager oder die im Browser gespeicherten Passwörter. Hier liegt die ehrlichste Liste, denn gespeichert wurde bei der Anmeldung, nicht aus dem Gedächtnis. Im Browser finden Sie die Liste in den Einstellungen unter „Passwörter“.
- Ihr E-Mail-Postfach. Suchen Sie nach Begriffen wie „Willkommen“, „Registrierung“, „Konto bestätigen“ oder „Ihre Anmeldung“. Fast jeder Dienst schickt so eine Mail — auch der, den Sie 2012 zuletzt genutzt haben.
- Ihre Apps. Gehen Sie die Liste der installierten Apps auf Smartphone und Tablet durch. Viele Apps funktionieren nur mit Konto.
- Ihre Kontoauszüge. Abbuchungen von Streaming-Diensten, Zeitungen oder Vereinen verraten laufende Mitgliedschaften, die Sie vielleicht vergessen haben.
So sieht eine brauchbare Liste aus
Notieren Sie pro Konto drei Dinge: den Namen des Dienstes, die E-Mail-Adresse oder Telefonnummer, mit der Sie dort angemeldet sind, und eine grobe Einstufung der Wichtigkeit. Bewährt haben sich drei Stufen:
- Kritisch: E-Mail-Konten, Bank und Bezahldienste, der Passwortmanager selbst, große Konten wie Google oder Apple, über die Sie sich woanders anmelden.
- Wichtig: Shops mit hinterlegter Zahlungsart, Krankenkasse, Versicherungen, soziale Netzwerke.
- Unwichtig: Newsletter, alte Foren, einmalig genutzte Dienste.
Ob Sie die Liste auf Papier führen oder als Datei, ist Geschmackssache. Wichtig ist nur: Passwörter gehören nicht auf diese Liste. Die Liste ist Ihr Lageplan, der Passwortmanager Ihr Tresor. Wer beides mischt, baut sich selbst ein Datenleck.
Merksatz: Sie können nur schützen, was Sie kennen. Eine einmal erstellte Kontoliste macht aus einem unübersichtlichen Haufen Zugänge eine überschaubare Aufgabe.
Was Sie mit der Liste vorhaben
Die Liste ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für die nächsten Lektionen: Unwichtige und alte Konten schließen Sie. Bei den kritischen prüfen Sie Wiederherstellungswege und Absicherung. Und wenn künftig ein Datenleck bekannt wird, sehen Sie auf einen Blick, ob es Sie betrifft. Rechnen Sie für die erste Bestandsaufnahme mit ein bis zwei Stunden, gern verteilt auf mehrere Tage. Das ist gut investierte Zeit — vergleichbar mit dem einen Wochenende, an dem man den Keller einmal richtig aufräumt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die meisten Menschen haben weit mehr Online-Konten, als sie vermuten.
- Vergessene Konten enthalten weiter Ihre Daten und sind oft schlecht gesichert.
- Fundstellen: Passwortmanager, E-Mail-Suche nach „Willkommen“, App-Liste, Kontoauszüge.
- Pro Konto notieren: Dienst, Anmelde-Adresse, Wichtigkeit — nie das Passwort.
- Die Liste ist die Grundlage für Aufräumen, Absichern und den Datenleck-Check.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Warum ist ein vergessenes Konto ein Sicherheitsrisiko, obwohl Sie es gar nicht mehr benutzen?
Ein vergessenes Konto enthält weiterhin Ihre Daten, wird aber nicht mehr gepflegt. Gerade alte Konten haben oft schwache oder mehrfach verwendete Passwörter.
Frage 2 von 3: Welcher Suchbegriff im eigenen E-Mail-Postfach hilft am besten, alte Konten aufzuspüren?
Fast jeder Dienst schickt bei der Anmeldung eine Willkommens- oder Bestätigungsmail. Wer danach sucht, findet auch Konten, die Jahre zurückliegen.
Frage 3 von 3: Sie erstellen Ihre Kontoliste. Was gehört NICHT hinein?
Die Liste soll nur den Überblick geben: welcher Dienst, welche Adresse, wie wichtig. Passwörter gehören in den Passwortmanager, nicht auf die Liste.