Digitaler Hausputz: weniger ist sicherer
Zum Abschluss dieses Kurses drehen wir den Blick um: Bisher ging es darum, Ordnung in das zu bringen, was Sie haben. Jetzt geht es darum, was Sie nicht mehr brauchen. Jedes Konto, das Sie besitzen, ist eine Kopie Ihrer persönlichen Daten bei einem Anbieter — Name, Adresse, manchmal Zahlungsdaten. Wird ein Anbieter gehackt, ein sogenanntes Datenleck, geraten auch die Daten längst vergessener Kunden in Umlauf. Deshalb gilt: Was Sie nicht mehr nutzen, löschen Sie am besten bewusst. Ein schlankes digitales Leben ist leichter zu schützen, leichter zu überblicken — und später auch leichter zu vererben, wie Sie aus der vorigen Lektion wissen.
Ihre Inventarliste aus der ersten Lektion ist dafür die perfekte Streichliste: Gehen Sie sie durch und markieren Sie alles, was Sie seit über einem Jahr nicht genutzt haben und absehbar nicht mehr brauchen.
Vor dem Löschen: sichern und prüfen
Löschen ist endgültig — das ist ja der Sinn der Sache. Deshalb kommen vor jedem Löschantrag drei Prüfschritte:
- Daten retten: Liegen bei dem Dienst Fotos, Dokumente oder E-Mails, die Sie behalten möchten? Viele Anbieter haben eine Funktion „Daten herunterladen“ oder „Datenexport“ in den Kontoeinstellungen. Sichern Sie das Gewünschte in Ihre geordnete Ablage.
- Verknüpfungen prüfen: Hängt an dem Konto ein laufendes Abo? Erst kündigen, dann löschen. Und falls Sie sich bei anderen Diensten über dieses Konto anmelden — etwa „Anmelden mit“ einem großen Anbieter —, richten Sie dort zuerst eine eigene Anmeldung ein.
- Nichts Wichtiges kappen: Ein altes E-Mail-Konto kann noch als Kontakt für Passwort-Zurücksetzungen anderer Dienste eingetragen sein. Tragen Sie dort erst Ihre aktuelle Adresse ein.
So läuft die Löschung ab
Wichtig zu wissen: Eine App vom Handy zu entfernen oder sich abzumelden löscht kein Konto. Die Löschung beantragen Sie beim Anbieter selbst — meist in den Kontoeinstellungen unter „Konto löschen“ oder „Konto schließen“, manchmal etwas versteckt. Finden Sie die Funktion nicht, hilft eine kurze E-Mail an den Anbieter mit der Bitte um Löschung Ihres Kontos und Ihrer Daten. Dass Anbieter dem nachkommen müssen, ist Ihr gutes Recht aus dem Datenschutz — wie Sie es förmlich durchsetzen und was ausnahmsweise gespeichert bleiben darf, behandelt auf dieser Plattform ein eigener Kurs zu Ihren Datenschutzrechten.
Manche Anbieter versuchen es beim Abschied mit sanftem Druck: „Nur pausieren statt löschen?“, „Wirklich alle Erinnerungen verlieren?“ Lassen Sie sich davon nicht umstimmen, wenn Ihre Entscheidung gefallen ist. Eine Bestätigungs-E-Mail der Löschung heben Sie kurz auf, dann streichen Sie das Konto von Ihrer Inventarliste — das ist der befriedigendste Teil.
Auch Geräte gehen bewusst
Zum Hausputz gehören die Geräte: Ein altes Handy in der Schublade ist ein vollwertiger Schlüsselbund mit Zugang zu E-Mails und Apps. Bevor Sie ein Gerät verkaufen, verschenken oder zum Recycling geben, melden Sie sich von allen Konten ab und setzen Sie es auf Werkseinstellungen zurück — diese Funktion finden Sie in den Einstellungen, der genaue Weg unterscheidet sich je nach Gerät, suchen Sie nach „Zurücksetzen“. Damit werden Ihre Daten und Anmeldungen entfernt. Behalten Sie das Gerät als Reserve, gilt trotzdem: sicherer Sperrcode und ab und zu ein Update, solange es welche gibt.
Merksatz: Erst sichern, dann kündigen, dann löschen — was Sie nicht mehr besitzen, kann niemand stehlen, und jede gestrichene Zeile macht Ihr digitales Leben leichter.
Das Wichtigste in Kürze
- Ungenutzte Konten sind ein Risiko: Bei Datenlecks geraten auch vergessene Daten in Umlauf.
- Die Inventarliste ist die Streichliste: über ein Jahr ungenutzt und entbehrlich — weg damit.
- Vor dem Löschen: Daten exportieren, Abos kündigen, Anmelde- und Wiederherstellungs-Verknüpfungen umziehen.
- App entfernen ist keine Kontolöschung — die Löschung beim Anbieter beantragen („Konto löschen“).
- Die Löschung durchzusetzen ist Ihr Datenschutzrecht; Details dazu in einem eigenen Kurs auf dieser Plattform.
- Geräte vor Weitergabe abmelden und auf Werkseinstellungen zurücksetzen.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Warum sind ungenutzte alte Konten ein Sicherheitsrisiko?
Jedes Konto ist eine Kopie Ihrer Daten bei einem Anbieter. Vergessene Konten werden nicht gepflegt und tauchen überdurchschnittlich oft in Datenlecks auf — was gelöscht ist, kann nicht mehr gestohlen werden.
Frage 2 von 3: Sie wollen ein altes Konto bei einem Fotodienst loswerden. Was ist die richtige Reihenfolge?
Gelöscht ist gelöscht — sichern Sie Fotos und Unterlagen vorher. Und: Eine App zu entfernen beendet weder das Konto noch ein laufendes Abo; die Löschung geschieht beim Anbieter selbst.
Frage 3 von 3: Sie verschenken Ihr altes Tablet an das Enkelkind. Was tun Sie vorher?
Das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen entfernt Ihre Daten und Anmeldungen vom Gerät. Vorher abmelden und den Geräteschutz aufheben, damit das Gerät für den neuen Besitzer nutzbar ist.