Keine Angst vor dem Wort Steuererklärung
Kaum ein Behördenthema löst so viel Respekt aus wie die Steuer. Deshalb zur Einordnung: Diese Lektion macht Sie nicht zum Steuerprofi und ersetzt keine Steuerberatung. Sie zeigt den Einstieg in den Online-Weg, denn der ist leichter, als sein Ruf vermuten lässt, und für viele Menschen, gerade Rentnerinnen und Rentner mit überschaubaren Einkünften, gut selbst zu bewältigen. Und für alle anderen gilt: Auch wer die Erklärung von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein machen lässt, profitiert davon, das System einmal gesehen zu haben.
ELSTER: das offizielle Portal
ELSTER steht für „elektronische Steuererklärung“ und ist das gemeinsame Online-Portal der deutschen Finanzverwaltung, zu finden unter elster.de. Zwei Dinge machen es besonders: Es ist kostenlos, und es ist offiziell, Ihre Erklärung geht dort direkt beim Finanzamt ein, ohne Umweg über eine Firma. Papierformulare nehmen die Finanzämter zwar in vielen Fällen noch an, für manche Gruppen ist die elektronische Abgabe aber längst Pflicht, und die Verwaltung baut den Papierweg spürbar ab.
Der Zugang läuft über ein Benutzerkonto bei „Mein ELSTER“. Und hier kommt die wichtigste praktische Information dieser Lektion: Die Registrierung braucht Vorlauf. Sie geben Ihre Daten und Ihre steuerliche Identifikationsnummer ein (die elfstellige Nummer, die auf jedem Brief vom Finanzamt steht), dann schickt ELSTER Ihnen aus Sicherheitsgründen einen Aktivierungscode per Post, das dauert einige Tage bis etwa zwei Wochen. Erst mit diesem Brief schließen Sie die Registrierung ab. Wer also im Juli abgeben will, registriert sich besser im Juni, nicht am letzten Abend.
Am Ende der Registrierung erhalten Sie eine Zertifikatsdatei: eine kleine Datei, die zusammen mit Ihrem Passwort als Ihr digitaler Schlüssel dient, mit ihr melden Sie sich künftig an und unterschreiben Ihre Erklärung elektronisch. Behandeln Sie diese Datei wie einen Schlüssel: sicher aufbewahren und in die Datensicherung einbeziehen, das Vorgehen kennen Sie aus dem Backup-Kurs. Alternativ lässt sich der Zugang inzwischen auch mit dem Online-Ausweis aus Lektion 2 einrichten, dann entfällt das Warten auf den Brief.
Hilfen, die die Arbeit klein machen
Einmal drin, warten mehrere Erleichterungen, die das Papierzeitalter nicht kannte:
- Die vorausgefüllte Steuererklärung, offiziell „Belegabruf“: Arbeitgeber, Rentenversicherung und Krankenkassen melden viele Ihrer Daten ohnehin elektronisch ans Finanzamt, Lohn, Rentenbezüge, Versicherungsbeiträge. Mit dem Belegabruf holen Sie diese Daten per Klick in Ihre Formulare, statt sie abzutippen. Das spart Zeit und vermeidet Zahlendreher.
- Übernahme vom Vorjahr: Ab dem zweiten Jahr übernimmt ELSTER auf Wunsch die gleichbleibenden Angaben der letzten Erklärung.
- Prüfung vor dem Absenden: Das Portal rechnet mit, weist auf Widersprüche hin und schätzt sogar das voraussichtliche Ergebnis.
- Für Rentnerinnen und Rentner mit einfachen Verhältnissen gibt es von der Finanzverwaltung zudem einen stark vereinfachten Zugang mit wenigen Fragen in klarer Sprache, fragen Sie bei Interesse Ihr Finanzamt danach oder suchen Sie nach „einfach ELSTER“.
Belege wie Spendenquittungen müssen übrigens meist gar nicht mehr mitgeschickt werden: Sie heben sie zu Hause auf und reichen sie nur nach, wenn das Finanzamt danach fragt.
Alternativen und Hilfe
Neben ELSTER gibt es kommerzielle Steuer-Programme und Steuer-Apps, die durch die Erklärung führen wie durch ein Interview und Spartipps geben, sie reichen die Erklärung am Ende ebenfalls elektronisch beim Finanzamt ein und kosten einmalig einen überschaubaren Betrag. Für wen sich das lohnt, ist Geschmackssache: ELSTER fragt in Amtssprache, die Programme in Alltagssprache.
Wenn Sie fachliche Hilfe möchten: Lohnsteuerhilfevereine beraten Arbeitnehmer und Rentner gegen einen Mitgliedsbeitrag, Steuerberater übernehmen den ganzen Vorgang. Und bei reinen Bedienfragen zu ELSTER hilft die Hotline der Finanzverwaltung, auch das Finanzamt selbst ist ansprechbar, es ist an einer korrekten Erklärung genauso interessiert wie Sie.
Merksatz: ELSTER ist das offizielle, kostenlose Steuerportal. Rechtzeitig registrieren, denn der Aktivierungscode kommt per Post, die Zertifikatsdatei sichern und den Belegabruf nutzen, dann füllt sich vieles von selbst.
Das Wichtigste in Kürze
- ELSTER (elster.de) ist das offizielle, kostenlose Portal der Finanzverwaltung für die Steuererklärung.
- Die Registrierung braucht Vorlauf: Der Aktivierungscode kommt per Post, danach erhalten Sie Ihre Zertifikatsdatei.
- Die Zertifikatsdatei ist Ihr digitaler Schlüssel: sicher aufbewahren und mitsichern.
- Der Belegabruf übernimmt Lohn, Rente und Versicherungsdaten automatisch in die Formulare.
- Für einfache Rentner-Fälle gibt es einen vereinfachten amtlichen Zugang in klarer Sprache.
- Steuer-Programme, Lohnsteuerhilfevereine und Steuerberater bleiben als Alternativen, diese Lektion ersetzt keine Steuerberatung.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Was ist ELSTER?
ELSTER steht für „elektronische Steuererklärung“ und ist das offizielle Portal der deutschen Finanzämter. Die Nutzung kostet nichts.
Frage 2 von 3: Warum sollte man die ELSTER-Registrierung nicht auf den letzten Tag vor der Abgabefrist legen?
Zur Registrierung gehört ein Aktivierungscode, der aus Sicherheitsgründen per Post verschickt wird. Wer die Frist im Blick hat, registriert sich deshalb rechtzeitig vorher.
Frage 3 von 3: Was leistet die „vorausgefüllte Steuererklärung“ (der Belegabruf)?
Arbeitgeber, Rentenversicherung und Krankenkassen melden viele Daten ohnehin ans Finanzamt. Der Belegabruf holt diese Daten in Ihre Erklärung, das erspart Tipparbeit und Übertragungsfehler.