Ein ehrlicher Blick auf den Stand der Dinge
Über die „digitale Verwaltung“ wird viel versprochen, deshalb beginnt dieser Kurs mit einer ehrlichen Einordnung: Vieles geht heute tatsächlich online, und es wird jedes Jahr mehr. Aber längst nicht alles, und wie viel, das hängt stark davon ab, wo Sie wohnen, denn jede Stadt und jedes Bundesland ist unterschiedlich weit.
Beides ist normal. Wenn ein Amt eine Leistung noch nicht online anbietet, haben Sie nichts falsch gemacht und nichts übersehen. Und umgekehrt gilt: Der Weg zum Schalter bleibt immer offen. Der Online-Weg ist ein zusätzliches Angebot, kein Zwang, Sie dürfen ihn nutzen, wo er Ihnen Wege spart, und ihn lassen, wo er hakt.
Was heute vielerorts online geht
Ein Überblick über die häufigsten Kandidaten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
- Termine vereinbaren, etwa beim Bürgeramt. Das ist fast überall möglich und der vielleicht größte Alltagsgewinn, eine eigene Lektion dazu folgt.
- Führungszeugnis und Auskünfte beantragen, etwa aus dem Fahreignungsregister in Flensburg.
- Auto an-, um- oder abmelden über die Online-Kfz-Zulassung, in vielen Zulassungsstellen möglich.
- Kindergeld, Wohngeld, BAföG und Co. beantragen, je nach Leistung und Region unterschiedlich weit ausgebaut.
- Rente: Bei der Deutschen Rentenversicherung lassen sich Auskünfte, Kontoklärung und sogar der Rentenantrag online erledigen.
- Steuererklärung über das offizielle Portal ELSTER, dazu gibt es eine eigene Lektion.
- Ummeldung nach Umzug: in immer mehr Bundesländern online möglich, andernorts weiterhin nur persönlich.
Was dagegen fast immer einen Besuch verlangt: alles, wofür Sie persönlich erscheinen müssen, etwa der neue Personalausweis oder Reisepass, denn dabei werden Fingerabdrücke aufgenommen. Auch hier hilft online aber der Termin vorab, und manche Ämter erinnern per E-Mail, wenn das Dokument abholbereit ist.
Wo Sie die Angebote finden
Der verlässlichste Einstieg ist die offizielle Website Ihrer Stadt oder Gemeinde, meist unter einer Adresse wie stadtname.de. Dort gibt es fast immer einen Bereich namens „Bürgerservice“, „Rathaus“ oder „Dienstleistungen“ mit einer Liste von A bis Z. Daneben betreiben die Bundesländer eigene Verwaltungsportale, die die Online-Leistungen bündeln, und für Bundesangelegenheiten gibt es zentrale Portale des Bundes.
Zwei Hinweise für die Suche im Netz: Achten Sie bei Suchmaschinen-Treffern darauf, ob ein Ergebnis als „Anzeige“ oder „Gesponsert“ markiert ist, das kennen Sie aus dem Einsteiger-Kurs zum Suchen und Finden. Hinter solchen Anzeigen stecken manchmal private Vermittler, die für kostenlose Behördenleistungen Gebühren kassieren oder Daten sammeln. Und generell gilt: Offizielle deutsche Behördenseiten enden praktisch immer auf .de und nennen im Impressum die Behörde selbst. Im Zweifel tippen Sie die Adresse Ihrer Stadt selbst ein und klicken sich von dort weiter.
Geduld gehört dazu, und sie lohnt sich
Noch eine Erwartung, die wir gerade rücken sollten: Online-Antrag heißt nicht Sofort-Entscheidung. Ein digital gestellter Antrag wird von denselben Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern geprüft wie ein Papierantrag und dauert ähnlich lange. Was der Online-Weg wirklich spart, ist anderes: den Weg zum Amt, das Warten in der Schlange, Öffnungszeiten, Porto, und oft bekommen Sie eine Eingangsbestätigung, sodass Sie wissen, dass der Antrag angekommen ist.
Rechnen Sie außerdem damit, dass es beim ersten Mal ruckelt: eine einmalige Registrierung hier, ein Nachweis zum Hochladen dort. Das ist keine Prüfung und kein Zeichen, dass Sie es nicht können, sondern der aktuelle Stand der Technik. Nehmen Sie sich Zeit, und heben Sie sich schwierige Fälle für später auf, mit jedem erledigten Vorgang wird der nächste leichter.
Merksatz: Vieles geht online, nicht alles, und je nach Ort unterschiedlich viel. Einstieg über die selbst eingetippte Website Ihrer Stadt, Anzeigen-Treffer meiden, und der Weg zum Schalter bleibt immer offen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Online-Weg ist ein Angebot, kein Zwang; der Gang zum Amt bleibt immer möglich.
- Wie viel online geht, unterscheidet sich stark je nach Stadt und Bundesland, das ist normal.
- Häufig online: Termine, Führungszeugnis, Kfz-Zulassung, Kindergeld, Wohngeld, Rente, Steuer.
- Einstieg über die offizielle Website der Stadt, Bereich „Bürgerservice“ oder „Dienstleistungen“.
- Als „Anzeige“ markierte Suchtreffer können zu kostenpflichtigen Vermittlern führen, Adresse besser selbst eintippen.
- Online spart Wege und Wartezeiten, die Bearbeitung dauert aber genauso lange wie auf Papier.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Woran erkennen Sie die offizielle Website einer deutschen Behörde am ehesten?
Behördenseiten erreichen Sie am sichersten über die selbst eingetippte Adresse der Stadt oder Behörde. Als „Anzeige“ markierte Suchtreffer können dagegen zu teuren oder falschen Vermittlerseiten führen.
Frage 2 von 3: Ein Online-Antrag bei einer Behörde ist abgeschickt. Was ist eine realistische Erwartung?
Online spart den Gang zum Amt, das Warten in der Schlange und oft das Porto. Die Bearbeitung dahinter machen aber dieselben Menschen wie beim Papierantrag, sie dauert entsprechend ähnlich lange.
Frage 3 von 3: Eine Ihnen wichtige Dienstleistung gibt es in Ihrer Stadt nur vor Ort, nicht online. Was stimmt?
Die Digitalisierung der Ämter ist unterschiedlich weit. Manche Städte bieten viel online an, andere wenig, und der persönliche Weg ins Amt steht immer weiter offen. Niemand ist zum Online-Weg gezwungen.