Lektion 1 von 6 im Modul „Lektionen“ — Lesezeit etwa 6 Minuten

Ruhe, Reihenfolge, Beweise sichern

Erst einmal: Es ist nicht Ihre Schuld

Vielleicht lesen Sie diesen Kurs, weil gerade etwas passiert ist: eine seltsame Abbuchung, ein Konto, in das Sie nicht mehr hineinkommen, eine Zahlung, die Sie bereuen. Dann zuerst das Wichtigste: Sie sind nicht dumm, und Sie sind nicht allein. Betrüger sind Profis. Sie arbeiten mit Druck, mit Vertrauen und mit sehr echt wirkenden Nachrichten. Darauf fallen jedes Jahr Hunderttausende Menschen in Deutschland herein, auch junge und technisch erfahrene.

Schämen Sie sich also nicht, und verstecken Sie den Vorfall nicht. Scham ist der beste Freund der Betrüger, denn wer schweigt, holt sich keine Hilfe. Wer sich Hilfe holt, hat schon den wichtigsten Schritt getan.

Ruhe ist Ihr erstes Werkzeug

In den ersten Minuten nach einer schlimmen Entdeckung schlägt das Herz schneller, und man möchte sofort alles gleichzeitig tun. Genau dann passieren die zweiten Fehler: Man klickt hastig, löscht Wichtiges oder ruft eine Nummer aus der Betrugsnachricht an.

Machen Sie es wie bei einem kleinen Küchenbrand: nicht schreiend durchs Haus laufen, sondern kurz innehalten und dann gezielt handeln. Atmen Sie einmal tief durch, holen Sie sich ein Blatt Papier und einen Stift, und wenn möglich eine zweite Person dazu: ein Familienmitglied, eine Nachbarin, ein Freund. Vier Augen sehen mehr, und laut ausgesprochen wirken die nächsten Schritte gleich weniger bedrohlich.

Die richtige Reihenfolge

Nicht alles ist gleich dringend. Als grobe Faustregel gilt diese Reihenfolge:

  1. Geld zuerst. Wenn Geld im Spiel ist, rufen Sie sofort Ihre Bank an oder lassen Sie Ihre Karte sperren. Hier zählt jede Stunde. Der zentrale Sperr-Notruf 116 116 ist rund um die Uhr erreichbar.
  2. Zugänge sichern. Wenn ein Konto betroffen ist, etwa Ihr E-Mail-Postfach, ändern Sie das Passwort, solange Sie noch hineinkommen.
  3. Gerät trennen. Wenn Ihr Computer oder Handy befallen sein könnte, trennen Sie es vom Internet.
  4. Melden und anzeigen. Danach, ohne Zeitdruck: Polizei, Verbraucherzentrale und die betroffenen Anbieter informieren.

Zu jedem dieser Punkte gibt es in diesem Kurs eine eigene Lektion. Sie müssen sich jetzt also nicht alles merken.

Beweise sichern statt aufräumen

Der Wunsch, „das alles wegzumachen“, ist verständlich. Aber löschen Sie nichts. Betrügerische E-Mails, Nachrichten, Bestellbestätigungen und Kontoauszüge sind Beweise. Ihre Bank braucht sie, die Polizei braucht sie, und auch für eine Erstattung sind sie Gold wert.

Sichern Sie darum in Ruhe:

Diese Notizen sind später Ihr roter Faden, wenn Bank oder Polizei Fragen stellen.

Merksatz: Erst durchatmen, dann der Reihe nach handeln, nichts löschen. Und: Hilfe holen ist Stärke, nicht Schwäche.

Das Wichtigste in Kürze

Testen Sie Ihr Wissen

3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.

Frage 1 von 3: Sie merken, dass Sie auf einen Betrug hereingefallen sind. Was ist der beste erste Schritt?

Frage 2 von 3: Warum sollten Sie betrügerische E-Mails und Nachrichten nicht löschen?

Frage 3 von 3: Was gilt für Schuldgefühle nach einem Betrug?

Die Lektion bekommt ihren grünen Haken, sobald Sie alle Fragen oben richtig beantwortet haben. Weiterblättern können Sie jederzeit.

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