Ihre Rechte sind stärker, als viele denken
Viele Menschen scheuen den Onlinekauf aus Sorge: „Und wenn es nicht passt? Wenn es kaputtgeht?“ Dabei sind Ihre Rechte beim Kauf im Internet sogar besser als im Laden. Drei Begriffe sollten Sie kennen: Widerruf, Gewährleistung und Garantie. Sie klingen ähnlich, bedeuten aber Verschiedenes. Nach dieser Lektion können Sie sie auseinanderhalten, und das schützt Sie vor so mancher falschen Auskunft.
Der Widerruf: 14 Tage Bedenkzeit, ohne Begründung
Beim Kauf im Internet, am Telefon oder aus dem Katalog, dem sogenannten Fernabsatz, können Sie die Ware vor dem Kauf nicht anfassen und anprobieren. Als Ausgleich gibt Ihnen das Gesetz ein Widerrufsrecht: Sie dürfen den Kauf innerhalb von 14 Tagen widerrufen, also rückgängig machen, ohne jede Begründung. Die Frist beginnt, wenn Sie die Ware erhalten haben. „Die Farbe gefällt mir nicht“ oder gar kein Grund: Beides ist völlig in Ordnung.
So geht es praktisch: Teilen Sie dem Händler den Widerruf mit, am besten per E-Mail („Hiermit widerrufe ich meine Bestellung Nr. …“). Viele Shops bieten dafür ein bequemes Rücksendeportal oder legen einen Rücksendeschein bei. Dann schicken Sie die Ware zurück; das muss innerhalb von 14 Tagen nach dem Widerruf geschehen. Der Händler erstattet Ihnen den Kaufpreis samt der ursprünglichen Versandkosten. Die Kosten der Rücksendung dürfen laut Gesetz Ihnen auferlegt werden, doch viele große Shops übernehmen sie freiwillig. Übrigens: Auspacken und Anschauen ist erlaubt, so wie das Anprobieren im Geschäft.
Wichtig sind die Ausnahmen: Kein Widerrufsrecht gibt es unter anderem bei nach Ihren Wünschen angefertigter Ware (etwa Fotobücher oder gravierter Schmuck), bei schnell verderblichen Lebensmitteln und bei versiegelten Hygieneartikeln, wenn das Siegel geöffnet wurde. Auch Privatverkäufer, etwa auf Kleinanzeigen-Portalen, müssen keinen Widerruf gewähren.
Die Gewährleistung: zwei Jahre gesetzlicher Schutz
Die Gewährleistung, auch Mängelhaftung genannt, ist Ihr gesetzliches Recht, wenn die Ware mangelhaft ist, also von Anfang an einen Defekt hatte. Sie gilt bei jedem Kauf von einem Händler, online wie im Laden, und dauert zwei Jahre ab Erhalt der Ware. Ihr Ansprechpartner ist immer der Verkäufer, nicht der Hersteller; lassen Sie sich davon nicht abwimmeln.
Geht die Ware innerhalb dieser Zeit kaputt, dürfen Sie Nacherfüllung verlangen: Reparatur oder Ersatz, kostenlos. Klappt das nicht, können Sie den Preis mindern oder vom Kauf zurücktreten. Praktisch wichtig: Im ersten Jahr nach dem Kauf wird zu Ihren Gunsten vermutet, dass der Mangel von Anfang an vorlag. Sie müssen also nichts beweisen, sondern nur den Defekt melden, am besten schriftlich mit Bestellnummer.
Die Garantie: ein freiwilliges Extra
Die Garantie wird oft mit der Gewährleistung verwechselt, ist aber etwas anderes: ein freiwilliges Versprechen, meist des Herstellers, zum Beispiel „3 Jahre Garantie auf den Motor“. Inhalt und Dauer bestimmt der, der die Garantie gibt. Eine Garantie ist ein Bonus obendrauf; sie ersetzt Ihre gesetzlichen Rechte nicht und schränkt sie auch nicht ein. Wenn ein Verkäufer sagt „Die Garantie ist abgelaufen“, kann die zweijährige Gewährleistung trotzdem noch laufen. Vorsicht übrigens bei kostenpflichtigen „Garantieverlängerungen“ an der Kasse: Oft versprechen sie wenig mehr, als Ihnen gesetzlich ohnehin zusteht.
Merksatz: 14 Tage Widerruf ohne Grund, zwei Jahre Gewährleistung beim Verkäufer, Garantie ist nur die freiwillige Zugabe obendrauf.
Das Wichtigste in Kürze
- Onlinekäufe können Sie 14 Tage lang ohne Begründung widerrufen.
- Widerruf dem Händler mitteilen, Ware zurückschicken, Geld zurückerhalten.
- Ausnahmen: Sonderanfertigungen, Verderbliches, entsiegelte Hygieneartikel, Privatverkäufe.
- Gewährleistung: zwei Jahre gesetzliches Recht auf Reparatur oder Ersatz, immer beim Verkäufer.
- Im ersten Jahr gilt die Vermutung, dass der Mangel von Anfang an bestand.
- Garantie ist freiwillig und zusätzlich; sie ersetzt Ihre gesetzlichen Rechte nicht.
Testen Sie Ihr Wissen
3 kurze Fragen zu dieser Lektion. Klicken Sie auf die Antwort, die Sie für richtig halten.
Frage 1 von 3: Sie haben online einen Pullover gekauft, aber die Farbe gefällt Ihnen nicht. Was gilt?
Beim Onlinekauf gilt das gesetzliche Widerrufsrecht: 14 Tage ab Erhalt der Ware, ganz ohne Begründung. „Gefällt mir nicht“ genügt völlig.
Frage 2 von 3: Was ist der Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie?
Die Gewährleistung haben Sie immer und automatisch, zwei Jahre lang gegenüber dem Verkäufer. Eine Garantie kann der Hersteller freiwillig zusätzlich geben, zu seinen eigenen Bedingungen.
Frage 3 von 3: Ihr neues Radio geht nach 8 Monaten kaputt. Der Verkäufer sagt: „Da müssen Sie sich an den Hersteller wenden.“ Stimmt das?
Die gesetzliche Gewährleistung bindet den Verkäufer zwei Jahre lang. Er darf Sie nicht auf den Hersteller verweisen; das dürfen Sie freundlich, aber bestimmt zurückweisen.